Die Grundlagen der Musiktheorie Bharata Natyam
In der indischen kulturellen Tradition bilden die instrumentale Musik (Vidya), Vokalkunst (Gita) und der Tanz (Nritya) gemeinsames Fundament. Es gibt einen gesamten Begriff für diese Kunstarten – Samhita. Es ist kein Wunder, dass viele berühmte Tänzerinnen auch Sängerinnen sind. Es ist bekannt, dass am Anfang des Jahrhunderts Balasaraswati und Gouri Amma während des Tanzes sangen, denn nur durch das tiefe Verständnis der Worte des Liedes, der Melodie und des Rhythmus, kann man es richtig in Bhava (Emotionen) widerspiegeln.
Tala
Am Anfang des Studiums ist es für den Darsteller(in) des Tanzes Bharatanatyam besonders wichtig, die Abzählung zu kennen.
Was versteht man unter Tala?
Tala (beim Aussprechen ist der erste Laut „a“ lang ) – die Weise, wie man den Takt abzählen kann. Tala – das ist eine Abzählung, nach der die Basisstruktur des Tanzes beruht.
Auf dem Konzert zählt Tala der Nattuvanar mit Hilfe der kleinen metallischen Teller ab, die Nattuvangam heissen. Außerdem spricht er Silben nach dem vorher gegeben Takt (Tala) und Rhythmus (Laya) klar und deutlich aus. Im Unterricht gibt Tala der Lehrer auf, dabei gebraucht er einen Holzstock oder einfach seine Hände. Kein Bestandteil des Tanzes wird ohne vorher aufgegebener Geschwindigkeit und der rhythmischen Struktur – Tala – dargestellt.
Тala wird entweder mit Hilfe der rechten Hand über die linke oder der rechten Hand über den Oberschenkel abgezählt.
Woraus besteht Tala?
Tala ist eine Kombination aus einigen Elementen, die Anga heissen. Es gibt 6 Arten Anga, wir zählen die drei häufigsten auf:
1. Laghu - das ist ein Schlag mit der Hand und mehrere mit den Fingern. Beim Schreiben gibt man das in folgender Weise wieder: |.
2. Dhrtam - besteht aus einem Schlag der Handfläche und einem Schlag mit der Rückseite der Hand. Beim Schreiben gibt man das in folgender Weise wieder O.
3. Anudhrtam - besteht aus einem Schlag der Rückseite der Hand und sieht beim Schreiben so aus U.
Heute gibt es 7 Tala-Arten, die die Gruppe Sapta ("sieben") Tala bilden.
| Benennung | Symbolen | Entzifferung | |
|---|---|---|---|
| 1 | Dhruva | I O I I | Laghu, Dhrtam, Laghu, Laghu |
| 2 | Matya | I O I | Laghu, Dhrtam, Laghu |
| 3 | Rupaka | O I | Dhrtam, Laghu |
| 4 | Jampa | | U O | Laghu, Anudhrtam, Dhrtam |
| 5 | Triputa | I O O | Laghu, Dhrtam, Dhrtam |
| 6 | Ata | I I O O | Laghu, Laghu, Dhrtam, Dhrtam |
| 7 | Eka | I | Laghu |
Am Ende gebraucht man öfter Adi Tala, Rupaka Tala. Es gibt auch verschiedene rhythmische Variationen in jedem Tala.
Jati
Der musikalische Begriff Jati ("dshati") bedeutet einen bestimmten Laghu, denn es ist die einzige Schlagweise, die abwechselnd ist. Bei der Abzählung Laghu schlagen wir mit der Handfläche und dann mit den Fingern. Die Zahl der Schläge mit den Fingern bestimmt der Jati.
| Benennung Laghu | Rhythmische Größe | Entzifferung |
|---|---|---|
| Tisra | 3 | 1 Schlag mit der Handfläche und 2 Schläge mit den Fingern |
| Catusra | 4 | 1 Schlag mit der Handfläche und 3 Schläge mit den Fingern |
| Khanda | 5 | 1 Schlag mit der Handfläche und 4 Schläge mit den Fingern |
| Misra | 7 | 1 Schlag mit der Handfläche und 6 Schläge mit den Fingern |
| Sankirna | 9 | 1 Schlag mit der Handfläche und 8 Schläge mit den Fingern |
Also, der gleiche Tala kann verschieden sein und das hängt vom Laghu ab. Zum Beispiel: Tisra Jati Ата Tala, Catusra Jati Ата Tala, Khanda Jati Ата Tala, Misra Jati Ата Tala, Sankirna Jati Ата Tala.
Bei der Abzählung der Grundelementen des Tanzes - adavus – gebraucht man gewöhnlich Аtа Tala Catusra Jati, den man kurz Aadi Tala nennt, denn man erlernt ihn als ersten und er ist der einfachste.
Nach dieser Weise kann man mit allen 7 Tala-Arten variieren. In der Summe bekommt man 7*5=35 Talam.
Gati
Таlа hängt auch von den Pausen zwischen den Schlägen ab. So eine Pause nennt man Gati. Gati genau so wie Jati sind 5 Arten möglich.
| Gati | Zahl der Taktzyklen | Benennung der Taktzyklen |
|---|---|---|
| Tisra | 3 Takten zwischen Tala | Ta Ki Ta |
| Catusra | 4 Takten zwischen Tala | Ta Ka Dhi Mi |
| Khanda | 5 Takten zwischen Tala | Ta Ka Ta Ki Ta |
| Misra | 7 Takten zwischen Tala | Ta Ki Ta Ta Ka Dhi Mi |
| Sankirna | 9 Takten zwischen Tala | Ta Ka Dhi Mi Ta Ka Ta Ki Ta |
Cappu tala
Neben den Tala Grundarten, in denen es immer Laghu ist, gibt es noch Cappu ("tschappu")Tala, der nur Anudhrtam gebraucht. Es gibt 4 Arten Cappu Tala: Tisra Cappu, Khanda Cappu, Misra Cappu und Sankirna Cappu.
Bei der Abzählung Cappu Tala entsprechen die ausgesprochenen Silben nicht immer den Schlägen.
| Cappu tala | Benennung der Taktzyklen / Schlagweise | |||||||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Tisra |
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| 2 | Khanda |
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| 3 | Misra |
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| 4 | Sankirna |
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Im Laufe der ganzen choreographischen Komposition bleibt die Geschwindigkeit des Talas unverändert. Nur seine innere Struktur unterliegt den Änderungen.

